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Sunday, April 10, 2011

Deutsche Schwulenfeindlichkeit und Westerwelle



"Kein anderer deutscher Aussenminister hat schlechtere Umfragenoten erhalten als Guido Westerwelle. Kaum ein anderer deutscher Politiker sah sich giftiger attackiert als der scheidende FDP-Chef im Aussenamt. Das hat sicher mit dem ihm eigenen Hang zur Provokation zu tun, aber nicht nur. Das deutsche Unbehagen gegenüber Westerwelle ging tiefer, es hatte mit seiner Homosexualität zu tun und mit der Homosexualität einiger seiner engen Mitarbeiter. Niemand würde das offen zugeben, aber an Tischgesprächen, in vertraulichen Diskussionen wurde deutlich, dass die Leute mit einem schwulen bürgerlichen Aussenminister Mühe haben. Die einen nahmen ihn nicht ernst, die anderen verabscheuten ihn offen. Sowohl rechts wie links.


Interessant war, dass man die Vorbehalte aus Gründen der politischen Korrektheit unterdrücken musste – was sie heftiger und böser machte. Der vielleicht direkteste Angriff auf Westerwelles Homosexualität war die in allen wichtigen Zeitungen Deutschlands aufgebauschte Kritik an seinen Auslandreisen. Besonders übelgenommen wurde dem Minister, dass er seinen Lebenspartner Michael Mronz mitnahm, um ihm angeblich geschäftliche Vorteile zu verschaffen. Der perfide Vorwurf war weder beweis- noch widerlegbar, da der als Sport-Manager tätige Mronz theoretisch von den Reisen hätte profitieren können wie jeder andere Wirtschaftsmann, der mit einem Poli­tiker auf Auslandreise geht. Für Westerwelle galten andere Massstäbe: Nie hätte man einen Bill Clinton kritisiert, er begünstige seine Frau Hillary durch Auslandreisen. Der ehemalige deutsche Verteidigungsminister zu Guttenberg setzte seine Frau im Ausland gezielt zu PR-Zwecken ein. Die Kritik blieb lau. Die Abneigung gegen Westerwelle war auch deshalb so schrill, weil unterdrückte Schwulenfeindlichkeit mitschwang. Was die Deutschen entrüstet von sich weisen würden. "


Roger Köppel, Editorial der Weltwoche Ausgabe 14/11


Thursday, February 11, 2010

Mein Körper gehört mir!

Liberalismus-Lektion: "self ownership", erklärt von Adrian auf GayWest:


"Niemand hat ein Recht, mir vorzuschreiben, was ich mit meinem Körper zu tun oder zu lassen habe. Ob ich mit einem Mann oder einer Frau ins Bett gehe; ob ich mir meinen Hintern mit Dildos, Schwänzen oder Fäusten wienern lasse; ob ich mich für Sex bezahlen lasse oder nicht; ob ich Drogen nehme, saufe, rauche, oder an Klebstoff schnüffele; ob ich kiloweise Fleisch verschlinge oder mich rein vegan ernähre – all das ist meine Sache und nur meine Sache.

Ihr braucht nicht gut zu finden, was ich tue; ihr müsst dem nicht zustimmen; ihr dürft mir raten, das was ich tue, nicht zu tun; ihr dürft mich überzeugen, das es besser wäre, dies und das nicht zu tun; ihr dürft sagen, dass ich mich falsch oder unmoralisch verhalte; ihr dürft mich meiden; ihr dürft mich Spinner, Freak, “pervers” oder “krank” nennen… – aber ihr habt ganz gewiss nicht das Recht, mir den Gebrauch meines Körpers zu verbieten, oder mich zu zwingen, ihn anders zu gebrauchen.

Denn ich gehöre euch ebenso wenig, wie ihr mir gehört."

Thursday, December 03, 2009

Was man sich als Schwuler - noch immer - alles gefallen lassen muss!

Eine kleine selbstredend unvollständige Auflistung der Zumutungen via Heise.de von Ralph Bruckschen:

19. Februar 2007 12:28

Was man sich als Schwuler offenbar alles gefallen lassen muss

Wenn man das hier in dem Forum so alles liest, kommt man auf den Gedanken, das Homosexuelle wohl abartige Untermenschen sind. Diese darf man beliebig beleidigen, Witze drüber machen und offenbar gehört dies zum guten Ton.
Hallo !? So mal ein paar Fakten:

1. Homosexualität ist natürlich und normal. Nicht nur bei Homo Sapiens, sondern so ziemlich quer durch das gesammte Tierreich. In Oslo gibt es im Naturkundemuseum zu dem Thema gerade eine Ausstellung. Offenbar ist Homosexualität nur bei Homo Sapiens in Talaren etwas unnatürliches.

2. Homosexualität ist nichts schwarz/weisses. Nahezu jeder Mann ist mehr oder weniger bisexuell. Es gibt Untersuchungen von z.B. Masters & Johnson, oder Kinsey die zeigen, das homosexuelles Verhalten graduell ist - Es gibt Männer, die nur mit Männern Sex haben, Männer, die manchmal mit Männern, manchmal mit Frauen, überwiegend mit Frauen und nur mit Frauen... Ich finde es immer wieder fazinierend, das in unserer Gesellschaft das Denken vorherscht, das wenn man es einmal mit einem Mann getrieben hat, es kein Zurück gäbe, oder so ein Schwachsinn

3. Homophobe haben selbst eine homosexuelle Ader. Dazu gibt es sogar eine wissenschaftliche Untersuchung:
http://www.oogachaga.com/download /homophobia_and_homosexual_arousal.
pdf

Auch zeigte es sich, das die größten Verfolger der Homosexualität in der Geschichte selbst schwule Tendenzen hatten. Das ist wohl eine Form der Selbskasteiung. Leider fehlt mir hierzu der Link.

4. Homosexuelle exisitieren quer durch sämtliche Bevölkerungsschichten. Sei es der Bäcker, der Bauer, der Computerfreak, der Anwalt, der Politiker..... Egal... 5-10% der Bevölkerung steht hauptsächlich auf das gleiche Geschlecht.

So - Das sind Alles Mitmenschen. Und die müssen es sich gefallen lassen von solch ignoranten Spinnern als Untermenschen, Kranke, Perverse, Abartige und was weiss ich betrachtet zu werden... Ach und Witze machen ist voll OK und harmlos... Wie wäre es mit einem rosa Wimpel auf der Kleidung !?!?

flame away

Ralph

P.S. - natürlich schliesse ich weibliche Homosexuelle in all diese Betrachtungen ein...

Lasst uns Schwule doch in Ruh!

Eigentümlich hirnfreien Schwulenhassern aus dem "rechtslibertären" Milieu ins Stammbuch ein nicht schlechter Beitrag von Heise:

Bewertung dieses Beitrags: 58%
19. Februar 2007 13:25

@Heise: Lasst uns Schwule doch in Ruh!

Also ich muss sagen, dass ich den Beitrag über Homoportale selbst als Schwuler völlig überflüssig finde. Wenn wirklich 90% der Deutschen heterosexuell sind, dann wird es gerade die überhaupt nicht interessieren, was 10% der Bevölkerung machen. Und diese 10% werden sowieso Portale wie Gayromeo kennen, dazu braucht es keinen "Werbebeitrag" auf heise.de. Das spricht sich unter Schwulen auch so rum.

Und um ehrlich zu sein, kann ich als Schwuler gerne darauf verzichten durch so einen Beitrag auf Heise noch mehr angefeindet zu werden, mir dumme Sprüche anhören zu müssen und diskriminiert zu werden.

Außerdem bin ich nicht heiß darauf dass Heten auf Schwulenportale aufmerksam werden. Denn viele Schwule mögen es nicht von Heten gestört oder gar geoutet zu werden. Die sollen sich lieber auf ihren Portalen rumtreiben.

Als Schwuler hat es mich nie interessiert, was Heten über mich oder Schwule generell denken. Diverse Ansichten und Meinungen einiger Heterosexueller bauen nicht auf wirkliche Erfahrungen auf. Und verlogen finde ich diese ganzen Argumente gegen Schwule auch. Als ob Heten so viel vorbildlicher wären.

Die meisten Kinderficker gibt es unter Heten. Diverse Freundinnen berichten mir, dass sie auf Dating-Portalen auch nur sexuell angemacht werden. Und dass heterosexuelle Paare mehr Rechte als schwule Paare bekommen sollten, weil sie ja so vorbildliche Eltern sind, wage ich auch zu bezweifeln (Rauchen und Trinken in der Schwangerschaft, Gewalt, Missbrauch, Verwahrlosung, Überlassung der Erziehung den pädagogischen Einrichtungen oder Medien).

Und dass wir Schwulen einen Einfluss auf Eure Kinder hätten und sie auf Schwul umerziehen könnten, einfach Schwachsinn. Wenns danach ginge, dürfte es bei all dem heterosexuellen Einfluss in Kindergärten, Schulen, im Fernsehen, Büchern, Radio überhaupt gar keine Schwulen geben. Die Welt, das Fernsehen, alle Medien sind von Heten für Heten gemacht. Der heterosexuelle Einfluss ist so enorm. Für Euch ist das normal, aber als Schwulen muss einem das einfach nur auffallen. Es werden fast ständig halbnackte Frauen im Fernseheneingeblendet. Sogar in Nachrichten. Also wer beeinflusst hier wen???

Und die Mär, dass Heteros bei der Verhütung gewissenhafter sind, merkt man ja an den "wenigen" ungewollten Schwangerschaften. Für Heteros ist Verhütung doch nur Vermeidung einer Schwangerschaft, um die sich in erster Linie die Frau zu kümmern hat.

Und im Ernst, klar finde ich es toll, dass Heterosexuelle für Nachwuchs sorgen. Wenn sie es nicht täten, dann hätten selbst wir Schwulen ein Problem. Denn auch unser Nachwuchs wäre ja dann gefährdet. Wir können uns ja nicht selbst reproduzieren. "Und das ist auch gut so", würden jetzt wieder einige Homophobe sagen. Ja aber Ihr habt recht. Denn wenn schwule schwanger werden könnten, dann hätte Deutschland im Gegensatz zu jetzt "zu viele Kinder". Und ich wüßte nicht, wie nur 10% der Deutschen diesen enormen Nachwuchs bewältigen sollte.



Monday, November 23, 2009

Homosexualität macht nicht einmal vor Minderjährigen halt!

Warum immer wieder von Muckern und Spießbürgern davor gewarnt wird, Kinder und Jugendliche der gesellschaftlichen Tatsache homosexuell veranlagter Menschen und gleichgeschlechtlicher Partnerschaften auszusetzen, ist mir völlig unerfindlich. Grünen-MdB Volker Beck, von dem mich ansonsten Welten trennen, gibt den ewiggestrigen Pinschern vom Schlage eines Philipp Gut (der jetzt in der Weltwoche-Hierarchie zum Innenressort-Leiter aufgestiegen ist und damit deutlich macht, dass dieses Blatt analog zu "eigentümlich frei" sein ehedem vorbildlich wirtschaftsliberales Profil zugunsten einer kulturkämpferisch aufgeladenen ultrakonservativen Ausrichtung aufgibt) in der WELT die richtige Antwort:

"Zum klassischen Repertoire des Schürens homophober Vorurteile gehört das Stichwort „Kinder“. „Selbst vor Kindern und Schulen machen die schwulen Pressure-Groups nicht halt“, sie wollten sogar eine „Behandlung des Themas Homosexualität im Unterricht“, entsetzt sich Gut. Ja, warum denn nicht? Lesben und Schwule gehören zur Lebenswirklichkeit. Soll man etwa Oscar Wilde aus dem Englischkurs verbannen, soll das Thema eingetragene Lebenspartnerschaft in der Sozialkunde tabu sein, soll im Geschichtsunterricht die Homosexuellenverfolgung im Nationalsozialismus wie in der Adenauerzeit unterschlagen werden?


Ganz typisch auch, dass sich Gut die Schülerinnen und Schüler nur als allesamt heterosexuell vorstellen kann. Aber in nahezu jeder Schulklasse sitzen auch lesbische und schwule Jugendliche, oft in der schwierigen Coming-out-Phase, oft von Mobbing bedroht. „Schwul“ ist Top-Schimpfwort auf Pausenhöfen. Die Bundesregierung musste 2006 auf eine Anfrage der Grünen einräumen, dass homosexuelle Jugendliche auch heute noch ein viermal höheres Suizidrisiko haben als heterosexuelle.

Lesbische und schwule Jugendliche dürfen nicht alleingelassen werden. Sie benötigen positive Vorbilder und Ermutigung. Wir brauchen Lehrkräfte, die beim Thema Homosexualität nicht rot werden. Sowohl in Unterrichtsinhalten als auch im Schulalltag muss deutlich werden: Lesben und Schwule sind Teil der gesellschaftlichen Normalität."



Und bitte das Voten auf der Seite nicht vergessen!


Nachtrag: Die Freunde von Gaywest landen übrigens mal wieder einen Volltreffer! Chapeau!

Tuesday, October 20, 2009

Der Kreuzzug des Philipp Gut gegen die "Homosexualisierung"

wird nun auch auf Deutschland ausgedehnt. Doch auch hier wird er ebenso klug wie unaufgeregt gekontert:


"Es geht um das Engagement innerhalb unserer offenen Gesellschaft – jenseits von Opfer-Rhetorik, jenseits aber auch der heuchlerischen, im Grunde homophoben Forderung, jeder möge nach seiner Fasson glücklich werden, solange er „private Vorlieben“ nur nicht öffentlich mache."


Dem Dank von GayWest an Marko Martin schließen wir uns an dieser Stelle gerne an!

Thursday, July 09, 2009

Ein prüdes, kleinbürgerliches Sittenpamphlet, getragen von Klischees, Behauptungen und Paranoia

Auf diesen unerwarteten Aussetzer von Philipp Gut in der bis dato liberalen Weltwoche, die wegen ihrer konsequent freiheitlichen Linie auch lange Zeit unser Leib-und Magen-Blatt war, reagiert jetzt im gleichen Blatt Philipp Tingler:

"Gut schreibt stets «Schwulenförderung», wenn er von Massnahmen etwa bei Polizei und Militär spricht, bei denen es lediglich um die Beseitigung bestehender Diskriminierung geht. Förderung – das klingt, als würden Schwule bevorzugt und verhätschelt, und kein anderes Bild entwirft Gut mit seiner verunglückten, nicht durchhaltbaren und unbegründeten Analogie von Homosexualität als «Religion» oder «Ideologie», also einer gewählten und damit auch wechselbaren Anschauung.

Homosexualität ist nichts dergleichen. Sie ist auch kein Beruf. Homosexualität ist eine Eigenschaft, wie Linkshändigkeit. Und sowenig mir vermeintliche Homo-Aktivisten liegen, die daraus mit Monsterausdrücken wie «lesBischwul» eine Ideologie machen, so wenig liegen mir homophobe Paranoiker mit derselben Absicht. Die Pole berühren sich, mal wieder."

Tuesday, September 23, 2008

Gesellschaftspolitisch amputierter Libertarismus ist zum Scheitern verurteilt

Der Herausgeber der notorisch homosexuellenfeindlichen Rechtspostille "eigentümlich frei", André F. Lichtschlag, gibt uns mal wieder eine Kostprobe seines klein-klein-kleinstbürgerlichen Weltbildes:

"Als wenn es in Zeiten, in denen die letzten Produktiven aus dem sterbenden Mittelstand mental wie wirtschaftlich zu Staatssklaven degenerieren, keine wichtigeren Fragen gäbe als Drogenlegalisierung oder Homoehe."

Einer seiner Leser gibt ihm darauf die richtige Antwort:

"Warum sollte man die Teile der produktiven Mittelschicht, die gelegentlich zu illegalen Drogen greifen und/oder homosexuell sind, ohne Not verprellen? Und seit wann ist es libertär, für andere zu entscheiden, was für sie am wichtigsten ist?
Ein politischer Libertarismus, der über die Köpfe der Menschen hinweg Prioritäten setzt und Teile seiner eigenen Lehre verleugnet, nur weil er meint, sich den freiheitsfeindlichen Vorbehalten bestimmter Kreise anbiedern zu müssen, ist von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Und das ist auch gut so."

Friday, August 29, 2008

Wäre Homosexualität von der Natur nicht gewollt, wäre sie längst ausgestorben

Wie raffiniert die Natur das homosexuelle "Fortpflanzungsmanko" kompensiert, berichtet die aktuelle Weltwoche:

"Die Evolutionsbiologen interessiert an der Homosexualität vor allem eines: dass es sie gibt, obwohl es sie nach den Grundannahmen dieser Fachdisziplin gar nicht geben dürfte. Laut Darwin haben nur solche Erbfaktoren Bestand, die den Fortpflanzungserfolg und die genetische Fitness ihrer Träger steigern. Das Bedürfnis, Sex mit Angehörigen des eigenen Geschlechtes zu haben, ist aber kein gutes Rezept zum Kinderkriegen. Die Ergebnisse einer grossangelegten neuen Studie aus Australien bieten jetzt eine Erklärung für das darwinsche Paradox: Die homosexuelle Disposition überdauert deshalb im Erbpool, weil sie in niedriger Dosierung die sexuelle Anziehungskraft - und damit die genetische Fitness - in der heterosexuellen Verwandtschaft erhöht."

Wednesday, June 18, 2008

Was heißt eigentlich "Faschismus"?

Eine Begriffsbestimmung aus entschieden liberaler Sicht findet sich in der Ökonomischen Enzyklopädie der "Library of Economics and Liberty":



Fascism

by Sheldon Richman

The best example of a fascist economy is the regime of Italian dictator Benito Mussolini. Holding that liberalism (by which he meant freedom and free markets) had "reached the end of its historical function," Mussolini wrote: "To Fascism the world is not this material world, as it appears on the surface, where Man is an individual separated from all others and left to himself.... Fascism affirms the State as the true reality of the individual."

This collectivism is captured in the word fascism, which comes from the Latin fasces, meaning a bundle of rods with an axe in it. In economics, fascism was seen as a third way between laissez-faire capitalism and communism. Fascist thought acknowledged the roles of private property and the profit motive as legitimate incentives for productivity—provided that they did not conflict with the interests of the state.

Fascism in Italy grew out of two other movements: syndicalism and nationalism. The syndicalists believed that economic life should be governed by groups representing the workers in various industries and crafts. The nationalists, angered by Italy's treatment after World War I, combined the idea of class struggle with that of national struggle. Italy was a proletarian nation, they said, and to win a greater share of the world's wealth, all of Italy's classes must unite. Mussolini was a syndicalist who turned nationalist during World War I.

From 1922 to 1925, Mussolini's regime pursued a laissez-faire economic policy under the liberal finance minister Alberto De Stefani. De Stefani reduced taxes, regulations, and trade restrictions and allowed businesses to compete with one another. But his opposition to protectionism and business subsidies alienated some industrial leaders, and De Stefani was eventually forced to resign. After Mussolini consolidated his dictatorship in 1925, Italy entered a new phase. Mussolini, like many leaders at this time, believed that economies did not operate constructively without supervision by the government. Foreshadowing events in Nazi Germany, and to some extent in New Deal America, Mussolini began a program of massive deficit spending, public works, and eventually, militarism.

Mussolini's fascism took another step at this time with the advent of the Corporative State, a supposedly pragmatic arrangement under which economic decisions were made by councils composed of workers and employers who represented trades and industries. By this device the presumed economic rivalry between employers and employees was to be resolved, preventing the class struggle from undermining the national struggle. In the Corporative State, for example, strikes would be illegal and labor disputes would be mediated by a state agency.

Theoretically, the fascist economy was to be guided by a complex network of employer, worker, and jointly run organizations representing crafts and industries at the local, provincial, and national levels. At the summit of this network was the National Council of Corporations. But although syndicalism and corporativism had a place in fascist ideology and were critical to building a consensus in support of the regime, the council did little to steer the economy. The real decisions were made by state agencies such as the Institute for Industrial Reconstruction (Istituto per la Ricosstruzione Industriale, or IRI), mediating among interest groups.

Beginning in 1929, in preparation for achieving the "glories" of war, the Italian government used protectionist measures to turn the economy toward autarchy, or economic self-sufficiency. The autarchic policies were intensified in the following years because of both the depression and the economic sanctions that other countries imposed on Italy after it invaded Ethiopia. Mussolini decreed that government bureaus must buy only Italian products, and he increased tariffs on all imports in 1931. The sanctions following the invasion of Ethiopia spurred Italy in 1935 to increase tariffs again, stiffen import quotas, and toughen its embargo on industrial goods.

Mussolini also eliminated the ability of business to make independent decisions: the government controlled all prices and wages, and firms in any industry could be forced into a cartel when the majority voted for it. The well-connected heads of big business had a hand in making policy, but most smaller businessmen were effectively turned into state employees contending with corrupt bureaucracies. They acquiesced, hoping that the restrictions would be temporary. Land being fundamental to the nation, the fascist state regimented agriculture even more fully, dictating crops, breaking up farms, and threatening expropriation to enforce its commands.

Banking also came under extraordinary control. As Italy's industrial and banking system sank under the weight of depression and regulation, and as unemployment rose, the government set up public works programs and took control over decisions about building and expanding factories. The government created the Istituto Mobiliare in 1931 to control credit, and the IRI later acquired all shares held by banks in industrial, agricultural, and real estate enterprises.

The image of a strong leader taking direct charge of an economy during hard times fascinated observers abroad. Italy was one of the places that Franklin Roosevelt looked to for ideas in 1933. Roosevelt's National Recovery Act (NRA) attempted to cartelize the American economy just as Mussolini had cartelized Italy's. Under the NRA Roosevelt established industry-wide boards with the power to set and enforce prices, wages, and other terms of employment, production, and distribution for all companies in an industry. Through the Agricultural Adjustment Act the government exercised similar control over farmers. Interestingly, Mussolini viewed Roosevelt's New Deal as "boldly... interventionist in the field of economics." Hitler's nazism also shared many features with Italian fascism, including the syndicalist front. Nazism, too, featured complete government control of industry, agriculture, finance, and investment.

As World War II approached, the signs of fascism's failure in Italy were palpable: per capita private consumption had dropped to below 1929 levels, and Italian industrial production between 1929 and 1939 had increased by only 15 percent, lower than the rates for other Western European countries. Labor productivity was low and production costs were uncompetitive. The fault lay in the shift of economic decision-making from entrepreneurs to government bureaucrats, and in the allocation of resources by decree rather than by free markets. Mussolini designed his system to cater to the needs of the state, not of consumers. In the end, it served neither.

About the Author
Sheldon Richman is the editor of Ideas on Liberty and is a senior fellow with the Future of Freedom Foundation. He is a lecturer and author of articles on the New Deal era, American foreign policy, and international trade.

Further Reading

Basch, Ernst. The Fascist: His State and His Mind. 1937.

Flynn, John T. As We Go Marching. 1944. Reprint. 1973.

Laqueur, Walter, ed. Fascism: A Reader's Guide. 1978.

Mussolini, Benito. Fascism: Doctrine and Institutions. 1935. Reprint. 1968.

Pitigliani, Fauto. The Italian Corporative State. 1934.

Tuesday, March 25, 2008

"Voll schwul ey!"

"Was nicht der eigenen Facon entsprach, sollte rasiert werden. Und so geschah's, das wissen wir, und es traf auch die bürgerlichen Juden, welche glaubten, mit Antisemitischem könnten sie nicht gemeint sein. Das wiederum verhält sich auch bei der Schulhofrede gegen Homosexuelle so. Das darf man sich zumuten, hört man Jugendlichen in der Donauschule zu in Berlin-Neukölln und in der Rütlischule, der berühmten, ohnehin. Niemand dort, hat er oder sie auch nur den allerleisesten Selbstverdacht in dieser Hinsicht, gibt sich als schwul zu erkennen - besser nicht, bloß unversehrt bleiben -, aber der anders begehrende Mann beschäftigt die Fantasie krass. Schwul - das ist der Schwächere. Wer glaubt, es sei nicht so gemeint, will den hassenden Inhalt nicht sehen und verkleidet Verständnis für die armen Jungs in sozialpädagogische Rhetorik. Im wahren Leben ist es alles eben so gemeint. Und würde die Vokabel nicht schwul, sondern jüdisch lauten, wäre das Geschrei groß."



Jan Feddersen in der heutigen taz über das allgemeine Beschwichtigungsgeschwätz gegenüber wachsender Homophobie in gewissen Parallelgesellschaften.

Wednesday, March 19, 2008

Wider die Natur?

Der libertäre Theoretiker ("Das libertäre Manifest") Stefan Blankertz schreibt auf der Freiheitsfabrik zum in christlich-konservativen (und neuerdings auch in rechtslibertären) Kreisen immer wieder neu variierten "Widernatürlichkeitsargument" gegen Homosexualität:


"Das letzte Kapitel von Jörg Guido Hülsmanns Buch “Ordnung und Anarchie” (Grevenbroich 2007), “Wider die Homo-Ehe” (S. 133ff), reizt mich zu ein paar Bemerkungen. Guido wirft Ratzinger (zum Zeitpunkt des Verfassens noch Kardinal) vor, mit seiner Ablehnung der (staatlich sanktionierten) Homo-Ehe nicht weit genug gegangen zu sein, denn auch die heterosexuelle Ehe dürfe nur religiös, nicht aber staatlich abgesegnet werden. Es ist vollkommen unerheblich, ob Guido mit den Argumenten des Kardinals – im Wesentlichen die Leier von der Widernatürlichkeit der Homosexualität – sympathisiert oder nicht, denn solange er (bzw. der Kardinal) Homosexualität nicht (gesetzlich) verbieten will, ist libertär gesehen die Welt in Ordnung. Jeder Mensch hat das Recht, mit sich und mit zustimmenden Personen beliebig zu verfahren, ebenso wie jeder Mensch das Recht hat, Kritik zu üben, solange keine (gewaltsame resp. gesetzliche) Intervention vorgenommen wird.

Allerdings übersieht Guido meines Erachtens, dass die Kirche die gesetzliche Verweigerung der Homo-Ehe aus internen disziplinarischen Gründen braucht. Der Kardinal ist nicht nur “nicht konsequent” genug gewesen, um von der Ablehnung der staatlichen Homo-Ehe zur Ablehnung der staatlichen Ehe überhaupt zu gelangen, sondern er braucht den Unterschied: Es wären nämlich viele katholische Pfarrer bereit, homosexuelle Paare zu trauen. Wenn es keine staatlichen Eheregeln gäbe, an die sich das katholische Eherecht anlehnte, wäre das Sakrament gültig, unabhängig davon, ob es gegen Kirchenrecht verstößt. Denn dies ist eine der praktischen anarchischen Aspekte des Katholizismus, dass trotz der kirchlichen Hierarchie nicht einmal der Papst ein Sakrament aufheben kann, das eine kirchenrechtlich korrekt geweihte Person vornimmt. Sakramente kommen direkt von Gott, nicht vermittelt über die Kirchenhierarchie. Insofern würde die Aufhebung der staatlichen Eheregeln zugleich ein Zusammenbruch des innerkirchlichen Verbots von Homo-Ehe nach sich ziehen. Die Position des Kardinals ist also eine, die die Repression des Staates benutzt, um innerkirchliche Disziplinierung zu erreichen. Er denkt sehr konsequent. Konsequent machtpolitisch. Und nicht religiös. Leider.

Unabhängig davon ist die Rede von der Widernatürlichkeit der Homosexualität, wie sie der Kardinal bekräftigt hat, alles andere als katholisch.

1. Sofern mit “natürlich” gemeint ist: “kommt in der nicht-menschlichen Natur nicht vor”, ist Homosexualität nicht widernatürlich. Ein gutes Kompendium zu diesem Thema ist Volker Sommers “Wider die Natur: Homosexualität und Evolution” (er ist Theologe und Primatologe, Ausrichtung: Soziobiologie). Das wusste man auch schon im Mittelalter (z.T. allerdings mit fehlinterpretierten Beispielen, so wurden angenommen, Hasen würden auch homosexuell verkehren).

2. Eine Handlung ist nicht darum automatisch erlaubt, weil sie “natürlich” ist. Wenn Thornhill und Palmer Recht haben, dass Vergewaltigung eine “natürliche” (in der
nicht-menschlichen Natur regelmäßig vorkommende) Fortpflanzungsstratege ist (die Gleichsetzung von bestimmten Fortplanzungsstrategien mit Vergewaltigung ist allerdings zur Recht umstritten), dann würde trotzdem unter Menschen Vergewaltigung nicht zu rechtfertigen sein.

3. Viele Tätigkeiten des Menschen, wie z.B. das Schreiben, sind widernatürlich in dem Sinne, dass sie nicht in der übrigen Natur vorkommen.

4. Der Zölibat ist widernatürlich. Thomas von Aquin fragt deswegen auch fast verzweifelt, ob denn das Ideal der Jungfräulichkeit überhaupt erlaubt (!) sei. Er kommt zu dem Schluss: Ja mit starken Einschränkungen, und ja mit Gottes Hilfe. (Anmerkung: “Jungfräulichkeit” ist in diesem Zusammenhang kein Hinweis darauf, dass nie im Leben geschlechtlich verkehrt wurde. Viele mittelalterlichen “Jungfrauen” waren Witwen und Witwer, die viele Kinder gezeugt hatten. Genauso wie “zölibatär” in der 2. Hälfte des Mittelalters – in der ersten galt der Zölibat nicht durchgängig, er wurde erst im Laufe des 12. Jahrhunderts flächendeckend durchgesetzt – eher nur den Ausschluss von Verheiratung, nicht aber den Verzicht auf Geschlechtsverkehr bedeutete.)

5. Schon Augustinus wusste, wie stark der Geschlechtstrieb natürlicherweise ist: “Verbietet die Prostitution und die Welt wird im Chaos versinken.” Die mittelalterlichen Ärzte waren der Meinung, Enthaltsamkeit würde schwere, mitunter tödlich (!) verlaufende Krankheiten nach sich ziehen (so, und was ist dann an Wilhelm Reich so anstößig?). Nur speziell ausgewählte Personen, denen Gott gegen die Natur zu einem keuschen Leben verhülfe, seien ausgenommen.

6. Die Einschränkung von Sexualität auf Fortpflanzung ist eher evangelisch als katholisch, jedenfalls wenn ich hier ein wenig einseitig Thomas von Aquin als wichtigsten katholischen Kirchenlehrer einsetzen darf. Sterile Ehen sind gültig. Eine Ehe ohne Geschlechtsverkehr ist “eigentlich” ungültig – eine “Josephsehe” ist nur dann gültig, wenn sichergestellt ist, dass beide Partner aus freien Stücken dem Verzicht auf Geschlechtsverkehr zugestimmt haben. Der eheliche Geschlechtsverkehr ist nach Thomas der Urgrund der Ehe und Zeichen der Verbundenheit der Eheleute. Eine Gründung im Wunsch nach Fortplanzung besteht nicht, denn ob ein Kind gezeugt würde, läge sowieso in Gottes Hand. Das ist konsequent gedacht: Falls die Ehe nur auf Zeugung von Nachwuchs und der Sicherung von dessen Aufzucht gerichtet sei, so sagt Thomas ausdrücklich, dann müsste sie ja nach den Wechseljahren der Frau und dem Erwachsenwerden der Kinder aufhören zu bestehen. Naturrechtlich sieht Thomas das auch so – das Sakrament der Ehe geht allerdings über die Natur hinaus (und ist im Gegenzug dann aber nicht mehr universell gültig, sondern nur für die Gläubigen).

7. Was bedeutet das alles für die katholische Auffassung zur Homosexualität? Ich als Katholik und Thomist meine, dass die Pfarrer Recht haben, die homosexuellen Paaren den kirchlichen Segen geben. Sie sind die Träger des wahren Katholizismus."

Friday, July 20, 2007

Gay Rights - aus authentisch libertärer Perspektive

Da in jüngster Zeit gewisse eigentümlich homophobe Entgleisungen, die unter falscher Flagge segelnde Rechtskonservative zu verantworten hatten, erhebliche Irritationen hervorgerufen haben, ist es aus schwulliberaler Sicht außerordentlich begrüßenswert, dass eine Broschüre aus den 70er Jahren, die der libertäre Historiker Ralph Raico für die Libertarian Party verfasst hat, nun wieder neu aufgelegt wurde: Gay Rights - A Libertarian Approach.

Viel Freude beim Vermehren der gewonnenen Einsichten!