Thursday, April 03, 2008
Tuesday, March 25, 2008
"Voll schwul ey!"
"Was nicht der eigenen Facon entsprach, sollte rasiert werden. Und so geschah's, das wissen wir, und es traf auch die bürgerlichen Juden, welche glaubten, mit Antisemitischem könnten sie nicht gemeint sein. Das wiederum verhält sich auch bei der Schulhofrede gegen Homosexuelle so. Das darf man sich zumuten, hört man Jugendlichen in der Donauschule zu in Berlin-Neukölln und in der Rütlischule, der berühmten, ohnehin. Niemand dort, hat er oder sie auch nur den allerleisesten Selbstverdacht in dieser Hinsicht, gibt sich als schwul zu erkennen - besser nicht, bloß unversehrt bleiben -, aber der anders begehrende Mann beschäftigt die Fantasie krass. Schwul - das ist der Schwächere. Wer glaubt, es sei nicht so gemeint, will den hassenden Inhalt nicht sehen und verkleidet Verständnis für die armen Jungs in sozialpädagogische Rhetorik. Im wahren Leben ist es alles eben so gemeint. Und würde die Vokabel nicht schwul, sondern jüdisch lauten, wäre das Geschrei groß."
Jan Feddersen in der heutigen taz über das allgemeine Beschwichtigungsgeschwätz gegenüber wachsender Homophobie in gewissen Parallelgesellschaften.
Wednesday, March 19, 2008
Wider die Natur?
"Das letzte Kapitel von Jörg Guido Hülsmanns Buch “Ordnung und Anarchie” (Grevenbroich 2007), “Wider die Homo-Ehe” (S. 133ff), reizt mich zu ein paar Bemerkungen. Guido wirft Ratzinger (zum Zeitpunkt des Verfassens noch Kardinal) vor, mit seiner Ablehnung der (staatlich sanktionierten) Homo-Ehe nicht weit genug gegangen zu sein, denn auch die heterosexuelle Ehe dürfe nur religiös, nicht aber staatlich abgesegnet werden. Es ist vollkommen unerheblich, ob Guido mit den Argumenten des Kardinals – im Wesentlichen die Leier von der Widernatürlichkeit der Homosexualität – sympathisiert oder nicht, denn solange er (bzw. der Kardinal) Homosexualität nicht (gesetzlich) verbieten will, ist libertär gesehen die Welt in Ordnung. Jeder Mensch hat das Recht, mit sich und mit zustimmenden Personen beliebig zu verfahren, ebenso wie jeder Mensch das Recht hat, Kritik zu üben, solange keine (gewaltsame resp. gesetzliche) Intervention vorgenommen wird.
Allerdings übersieht Guido meines Erachtens, dass die Kirche die gesetzliche Verweigerung der Homo-Ehe aus internen disziplinarischen Gründen braucht. Der Kardinal ist nicht nur “nicht konsequent” genug gewesen, um von der Ablehnung der staatlichen Homo-Ehe zur Ablehnung der staatlichen Ehe überhaupt zu gelangen, sondern er braucht den Unterschied: Es wären nämlich viele katholische Pfarrer bereit, homosexuelle Paare zu trauen. Wenn es keine staatlichen Eheregeln gäbe, an die sich das katholische Eherecht anlehnte, wäre das Sakrament gültig, unabhängig davon, ob es gegen Kirchenrecht verstößt. Denn dies ist eine der praktischen anarchischen Aspekte des Katholizismus, dass trotz der kirchlichen Hierarchie nicht einmal der Papst ein Sakrament aufheben kann, das eine kirchenrechtlich korrekt geweihte Person vornimmt. Sakramente kommen direkt von Gott, nicht vermittelt über die Kirchenhierarchie. Insofern würde die Aufhebung der staatlichen Eheregeln zugleich ein Zusammenbruch des innerkirchlichen Verbots von Homo-Ehe nach sich ziehen. Die Position des Kardinals ist also eine, die die Repression des Staates benutzt, um innerkirchliche Disziplinierung zu erreichen. Er denkt sehr konsequent. Konsequent machtpolitisch. Und nicht religiös. Leider.
Unabhängig davon ist die Rede von der Widernatürlichkeit der Homosexualität, wie sie der Kardinal bekräftigt hat, alles andere als katholisch.
1. Sofern mit “natürlich” gemeint ist: “kommt in der nicht-menschlichen Natur nicht vor”, ist Homosexualität nicht widernatürlich. Ein gutes Kompendium zu diesem Thema ist Volker Sommers “Wider die Natur: Homosexualität und Evolution” (er ist Theologe und Primatologe, Ausrichtung: Soziobiologie). Das wusste man auch schon im Mittelalter (z.T. allerdings mit fehlinterpretierten Beispielen, so wurden angenommen, Hasen würden auch homosexuell verkehren).
2. Eine Handlung ist nicht darum automatisch erlaubt, weil sie “natürlich” ist. Wenn Thornhill und Palmer Recht haben, dass Vergewaltigung eine “natürliche” (in der
nicht-menschlichen Natur regelmäßig vorkommende) Fortpflanzungsstratege ist (die Gleichsetzung von bestimmten Fortplanzungsstrategien mit Vergewaltigung ist allerdings zur Recht umstritten), dann würde trotzdem unter Menschen Vergewaltigung nicht zu rechtfertigen sein.3. Viele Tätigkeiten des Menschen, wie z.B. das Schreiben, sind widernatürlich in dem Sinne, dass sie nicht in der übrigen Natur vorkommen.
4. Der Zölibat ist widernatürlich. Thomas von Aquin fragt deswegen auch fast verzweifelt, ob denn das Ideal der Jungfräulichkeit überhaupt erlaubt (!) sei. Er kommt zu dem Schluss: Ja mit starken Einschränkungen, und ja mit Gottes Hilfe. (Anmerkung: “Jungfräulichkeit” ist in diesem Zusammenhang kein Hinweis darauf, dass nie im Leben geschlechtlich verkehrt wurde. Viele mittelalterlichen “Jungfrauen” waren Witwen und Witwer, die viele Kinder gezeugt hatten. Genauso wie “zölibatär” in der 2. Hälfte des Mittelalters – in der ersten galt der Zölibat nicht durchgängig, er wurde erst im Laufe des 12. Jahrhunderts flächendeckend durchgesetzt – eher nur den Ausschluss von Verheiratung, nicht aber den Verzicht auf Geschlechtsverkehr bedeutete.)
5. Schon Augustinus wusste, wie stark der Geschlechtstrieb natürlicherweise ist: “Verbietet die Prostitution und die Welt wird im Chaos versinken.” Die mittelalterlichen Ärzte waren der Meinung, Enthaltsamkeit würde schwere, mitunter tödlich (!) verlaufende Krankheiten nach sich ziehen (so, und was ist dann an Wilhelm Reich so anstößig?). Nur speziell ausgewählte Personen, denen Gott gegen die Natur zu einem keuschen Leben verhülfe, seien ausgenommen.
6. Die Einschränkung von Sexualität auf Fortpflanzung ist eher evangelisch als katholisch, jedenfalls wenn ich hier ein wenig einseitig Thomas von Aquin als wichtigsten katholischen Kirchenlehrer einsetzen darf. Sterile Ehen sind gültig. Eine Ehe ohne Geschlechtsverkehr ist “eigentlich” ungültig – eine “Josephsehe” ist nur dann gültig, wenn sichergestellt ist, dass beide Partner aus freien Stücken dem Verzicht auf Geschlechtsverkehr zugestimmt haben. Der eheliche Geschlechtsverkehr ist nach Thomas der Urgrund der Ehe und Zeichen der Verbundenheit der Eheleute. Eine Gründung im Wunsch nach Fortplanzung besteht nicht, denn ob ein Kind gezeugt würde, läge sowieso in Gottes Hand. Das ist konsequent gedacht: Falls die Ehe nur auf Zeugung von Nachwuchs und der Sicherung von dessen Aufzucht gerichtet sei, so sagt Thomas ausdrücklich, dann müsste sie ja nach den Wechseljahren der Frau und dem Erwachsenwerden der Kinder aufhören zu bestehen. Naturrechtlich sieht Thomas das auch so – das Sakrament der Ehe geht allerdings über die Natur hinaus (und ist im Gegenzug dann aber nicht mehr universell gültig, sondern nur für die Gläubigen).
7. Was bedeutet das alles für die katholische Auffassung zur Homosexualität? Ich als Katholik und Thomist meine, dass die Pfarrer Recht haben, die homosexuellen Paaren den kirchlichen Segen geben. Sie sind die Träger des wahren Katholizismus."
Saturday, March 01, 2008
Hate-Crime-Welle in den USA
Klare, wahre und richtige Worte!"DAS, verehrte PC-Verächter, ist der Grund, warum ich die Political Correctness als zivilisierenden Einfluss auf das gesellschaftliche Zusammenleben lobe. Wie sehr muss das Bewusstsein eines 14jährigen von Hass und Ressentiments durchtränkt sein, um ein harmloses Liebesgeständnis - sofern man es überhaupt als solches bezeichnen kann - zum Anlass zu nehmen, einen Menschen zu erschiessen? Wie sehr muss Homosexualität als etwas furchtbares, verächtliches, ja hassenswertes gesehen werden?
Und natürlich wird dieser Hass, werden diese Ressentiments durch Äusserungen erzeugt und gefüttert, die Homosexualität stigmatisieren, sie lächerlich machen, sie in den Schmutz ziehen. Eine Gesellschaft, die ein Interesse an einem offenen, friedlichen und zivilisierten Zusammenleben hat, muss darum Hass unmissverständlich entgegentreten, wo er sich äussert. Personen, die Hass gegen andere Individuen und Gruppen schüren, sollten von ihren Mitmenschen in ihre Schranken verwiesen, und ja, notfalls auch aus der sozialen Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Jedesmal, wenn rechtskonservative Sesselpfurzer von dem “Recht” auf eine rassistische oder homophobe Gesinnung nölen, wenn sie sich darüber echauffieren, dass Dumpfbacken wie Martin Hohmann oder Eva Herman für verletzende Ausfälle kritisiert werden, sollte man ihnen die Bilder von Opfern wie Lawrence King entgegenhalten. Der Hass, der in den Köpfen beginnt, und sich über die Sprache fortpflanzt, tötet am Ende unschuldige Menschen.
Wer das nicht einsehen will, wer also darauf besteht, hasserfüllte Gedanken zu verbreiten, hat dazu sicher ein Recht - bei sich, in den eigenen vier Wänden, mit dem eigenen Eigentum. Aber er soll nicht erwarten können, von seinen Mitmenschen, der Gesellschaft Toleranz oder gar Akzeptanz zu erfahren. Im Gegenteil, er muss damit rechnen müssen, entschieden kritisiert und zurückgewiesen zu werden. Dieses zivilisatorische Grundverständnis ist es, das reaktionäre Kreise mit der vermeintlichen “Diktatur der Political Correctness” kritisieren."
Friday, February 29, 2008
Happy Birthday, Antonio Sabato jr.!
Antonio Sabato jr., der feuchte Traum aller gay men wird heute 36! Geboren ist das in Homo-Kreisen wegen seiner Freizügigkeit und Schwulenfreundlichkeit bekannte und überaus beliebte italo-amerikanische Sahneschnittchen am 29. Februar 1972 in Rom. Bildlein zum Schmachten gibt es hier.Der Arme kann übrigens, da er an einem 29. Februar das Licht der Welt erblickte, nur aller vier Jahre Geburtstag feiern!
Monday, February 25, 2008
James Marsden - bunt und in Farbe
gibt's hier!Das aktuelle Interview, in dem unser Traummann James über seinen aktuellen Erfolg mit "27 Dresses" , seine eigene Hochzeit und seinen Traum von der großen Frank-Sinatra-Rolle plaudert, gibt es hier!
Friday, February 22, 2008
Männerfußball und Homophobie
"Immer noch wird in den Bundesligastadien „schwul“ oder „Schwuler“ in der Absicht gegrölt, gegnerische Spieler und Fans herabzuwürdigen, und immer noch gilt es – nicht nur hierzulande – als nahezu undenkbar, dass ein Fußballprofi offen schwul lebt, ja, dass es überhaupt schwule Berufskicker gibt. Inzwischen lassen zwar einige Spieler zaghafte Ansätze eines Problembewusstseins erkennen und hat die Zahl der Veröffentlichungen, die sich mit dieser Thematik beschäftigen, deutlich zugenommen. Doch während die – möglichen und tatsächlichen – Folgen eines öffentlichen coming out bezahlter Balltreter mittlerweile auch in auflagenstarken Medien erörtert werden, machen die meisten um die Frage, warum sich die Homophobie gerade im (Männer-) Fußball weiterhin nahezu umgehemmt austoben kann, zumeist einen großen Bogen."Wednesday, February 06, 2008
Friday, February 01, 2008
Gay-Support für Barack Obama

Der jüngste (und homofreundlichste) Kandidat im Rennen um das Weiße Haus, der Senator aus Illinois, Barack Obama, bekommt offenbar auch jede Menge Unterstützung aus der schwulen Community. Es bleibt spannend, mindestens noch bis zum Super-Tuesday.
Mehr Infos zu den Primaries hier!
Saturday, January 26, 2008
TV-Blockbuster mit Kostja Ullmann in der Hauptrolle!
Morgen abend hat ihn nicht nur der Männer-Radar auf dem Schirm, sondern ein Millionenpublikum: Kostja Ullmann, der neue aufgehende Stern des deutschen Films! Im ostalgiefreien Mauer-Drama "Das Wunder von Berlin" spielt er stark und überzeugend die Hauptrolle des vom Regime auf Linientreue abgerichteten DDR-Grenzsoldaten am Vorabend der "Wende". Ein TV-Event erster Güte, das Authentizität vermittelt und zugleich Hochspannung verspricht.Kostja Ullmann, der im Film die Wandlung des rebellischen Jugendlichen zum, subjektiv empfunden, verantwortlichen Beschützer der Frauen und Kinder des DDR-Staates glaubwürdig spielt, steht mit seiner Rolle als Marco Kaiser gleichsam in Gegenrichtung zur Gesamtheit der Bewegungen, die man „Zeitläufte“ nennt. Während um ihn herum mit dem Vertrauen ihrer Bürger der Arbeiter- und Bauernstaat den Bach runtergeht, bekommt er trotz des Einflusses seiner kritischen Freundin Anja (Karoline Herfurth) durch den Major Wolf (André Hennicke)Geschmack an den Parolen der Landesverteidigung.
"Am Anfang ist Marco ein Punk, weil er damit seinen Vater ziemlich erfolgreich ärgern kann. Punk sein, heißt für ihn Gefühle äußern dürfen, sagen was man denkt, tun was man will. Es heißt aber auch: nicht mehr funktionieren zu müssen, wie er als Jugendlicher in der Schwimmschule funktionieren musste - die große Olympiahoffnung seiner Eltern. Anja ist Marcos große Liebe und sie gibt ihm den Anstoß, über konkrete Lebensziele nachzudenken. Den NVA-Dienst findet er zuerst langweilig und albern, weil es dort wieder um dieses Funktionieren geht. Erst der Major Wolf weckt seinen Ehrgeiz, Verantwortung zu übernehmen, für etwas einzustehen. Marco glaubt an den Sozialismus, bis er erkennt, dass ausgerechnet Wolf seinen eigenen Ansprüchen nicht genügt. Ein herber Rückschlag für Marco, gleichzeitig aber auch der Beginn einer Neubesinnung."
Wednesday, January 23, 2008
Heath Ledger R.I.P.
Der populäre Hollywood-Schauspieler Heath Ledger ist heute im Alter von nur 28 Jahren von uns gegangen. Tief bewegt nehmen wir Abschied von einem hochtalentierten jungen Mann, der sich vor allem durch seine Rolle als schwuler Cowboy in dem bewegenden Drama Brokeback Mountain unvergeßlich in die Herzen der gay community gespielt hat. Wir alle wissen, was wir ihm, der sich dem bigotten Meinungsklima im Amerika der Bush-Ära nicht beugte, zu verdanken haben. Heath, wir werden Dich nie vergessen! Danke!Tribute to Heath Ledger:
Monday, January 21, 2008
Homosexualität als "kapitalistische Degeneration"
So jedenfalls sieht es das Castro-Regime auf Kuba - wo die Verfolgung und Verfemung von Schwulen bis heute anhält! Der morgen abend um 22.50 Uhr auf dem RBB ausgestrahlte Film "Bevor es Nacht wird" erzählt die bewegte Lebensgeschichte des kubanischen Schriftstellers Reinaldo Arenas und dessen Suche nach künstlerischer, politischer und sexueller Freiheit. Mit atemberaubenden Aufnahmen von Wäldern und Landschaften findet Regiseur Julian Schnabel als malender Filmemacher und filmender Maler immer wieder ein visuelles Äquivalent zur verspielten, vieldeutigen Sprache von Arenas' 1993 postum publizierten Memoiren, auf denen der Film basiert. Javier Bardem, der zuletzt in Alejandro Amenábars mit dem "Oscar" ausgezeichneten Drama "Das Meer in mir" brillierte, spielt den lebenshungrigen Schriftsteller mit großer Überzeugungskraft und wurde für den "Oscar" nominiert. Johnny Depp, der gleich zwei Cameoauftritte hat, und Sean Penn verleihen dem visuell berauschenden Film zusätzlichen Glanz.
Wednesday, January 09, 2008
Ron Paul

„Seit Kennedy gab es nicht mehr so eine idealistische, junge und allumfassende Gefolgschaft hinter einem einzelnen Herausforderer.“ Dieser Satz aus dem in London erscheinenden Daily Telegraph ist zwar auf den Demokraten Barack Obama gemünzt. Er könnte aber mindestens genauso gut, vielleicht sogar mit noch größerer Berechtigung, auf den erzliberalen, von den mainstream-Medien diesseits wie jenseits des Atlantik jedoch totgeschwiegenen, weil in kein herkömmlich-abgegriffenes Schema passenden Republikaner Ron Paul passen – dem legitimen Erben Barry Goldwaters.
Friday, January 04, 2008
Kostja Ullmann auf arte
S-u-l-Liebling Kostja spielt heute um 20.40 auf arte in "Die Zeit die man Leben nennt" die Hauptrolle in einem "kitsch- und klischeefreien Behindertendrama" (Neue OZ) der Regisseurin Sharon von Wietersheim. Der Film hat ausgezeichnete Kritiken, man darf also gespannt sein.Am 27.01. ist er übrigens ebenfalls in einer Hauptrolle zu sehen: in dem Streifen "Das Wunder von Berlin" im ZDF.
P.S. zu James Marsden
Via Tom Chatt :Friday, December 21, 2007
Märchenhaft

Was wäre Weihnachten ohne Süssigkeiten? Eine besondere Süssigkeit bringen die Disney-Filmstudios gerade richtig zur Weihnachtszeit in die Kinos. Der Märchenfilm "Verwünscht" (müsste er nicht auf deutsch "Verwunschen" heißen?) erfüllt alle Kriterien, ein für ein weihnachtliches romantic movie. Verzaubern dürfte dabei die Gay Community vor allem der zum Dahinschmelzen gutaussehende und wie immer sangesfreudige James Marsden (der gerade erst in "Hairspray" begeisterte) in der Rolle des Prinzen Edward von Andalasia. Eine gelungene Mischung aus Romanze und Parodie, Spielfilm und Animation, Musical und Abenteuer und mit dem gehörigen Schuss Selbstironie. Resümee: erwärmt das Herz wie der Glühwein den Körper!Und im neuen Jahr gibt's schon im Februar ein Wiedersehen mit James Marsden!
Thursday, December 13, 2007
Neues libertäres Projekt
Die Nachfrage nach einem kompromißlos liberalen Printmedium, aber ohne regelmäßige Nazometer-Ausschläge ist offenbar in den letzten Wochen starkt angestiegen. Nun haben sich einige ehemalige ef-Autoren und -Leser zusammengefunden, um etwas Neues aus der Taufe zu heben. Der-Markt.com, wie der Arbeitstitel zunächst heißen soll, verspricht die Lücke zu schließen, die seit der Zeit klafft, da man andernorts "Hoppe-Hoppe-Reiter" spielt.Sollten die Erfinder mit ihrer Idee Erfolg haben, gäbe es auch im deutschsprachigen Raum wieder etwas jenseits von steriler Parteipresse und angebräuntem lunatic fringe. Zeit wird's!
Der-Markt.com ist übrigens kein "closed shop" - neue Autoren mit frischen Ideen, klugen Gedanken und einer lockeren Schreibe sind immer willkommen!
Tuesday, November 06, 2007
FRONT: mehr als nur Schwulsein
Das ist das Motto des neuen, sehr ansprechend gestalteten Männermagazins FRONT, das jetzt an allen gutsortierten Kiosken erhältlich ist. Die Herausgeber erklären die Philosophie ihres Blattes:"Ein Magazin, das 2007 schwulen Lifestyle abbilden will, das ganz vorne sein will, muss sich breiter aufstellen. Noch ein Magazin über CSD und Ledertreffen, so berechtigt das alles ist, braucht – mit Verlaub – kein Mensch. Das Leben schwuler Männer geht weit darüber hinaus. Die meisten sehen sich schon lange nicht mehr am Rande der Gesellschaft, sondern an vorderster Front des kulturellen Mainstreams. Dort leben und arbeiten sie, bereichern Wirtschaft, schöpfen Mode, pflegen Lebensstil und schaffen Kultur – und wollen sich nicht länger auf ihr Schwulsein beschränken lassen.Sie leben offen und sie sind offen. Genau so offen übrigens, wie die wachsende Zahl von nicht-schwulen Männern, die nach neuen Wegen suchen, um ihr Leben zu leben, abseits der eingetrampelten Pfade traditioneller Rollenbilder. Wir alle zusammen sind: die Neuen Männer.
Mehr als nur Schwulsein: Das ist das FRONT-Konzept. Wir schauen über den Tellerrand, weil das schon immer spannender war, als im eigenen Saft zu schmoren. Diese Idee hat von Anfang an renommierte Autoren und Fotografen überzeugt, und darum schreiben und fotografieren sie für uns. Und bringen von der Mode- und Lifestyle-, Kultur- und Gesellschaftsfront jeden Monat das Beste von dem mit, was uns Neue Männer interessiert."
Auf jeden Fall ein sympathisches modernes Magazin, das Kurzweil verspricht. Die erste Ausgabe mit Sahneschnittchen Kostja Ullmann als Interviewpartner und Dressman macht jedenfalls Appetit auf mehr!
Monday, November 05, 2007
Rechter Szeneapplaus
sollte ef-Herausgeber Lichtschlag weder überraschen noch dürfte er ihm allzu unangenehm sein. Der Grevenbroicher Verleger ist längst ein gerngesehener Gast in allen schmuddeligen rechten Szenegassen.Lichtschlag, Kewil, Kositza - da wächst zusammen, was eh schon lange zusammengehört. Eine rechtsrechte Allianz der Freiheitsfeinde.
Es ist dabei übrigens völlig unerheblich, ob Lichtschlag aus purem Opportunismus oder aus Überzeugung hemmungslos mit der deutschen Rechten anbandelt. Das traurige Ergebnis ist, dass der deutschsprachige Liberalismus um eine publizistische Stimme ärmer ist und die Rechten um einen Trommler reicher.
Friday, October 12, 2007
Aus dem Archiv: Christian Hoffmann über Homo-Ehe und Etatismus
Von Christian Hoffmann
Die Vereinigten Staaten von Amerika befinden sich im Krieg! Im Krieg nicht etwa mit Saddam Hussein oder Osama bin Laden. Nein, ein Kulturkrieg tobt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Dabei geht es keinesfalls, wie man vielleicht annehmen könnte, um die vermeintliche Schicksalsfrage, ob nun der hagere Ostküstendoyen, Senator John Kerry, oder der burschikose texanische Cowboy, der amtierende Präsident George W. Bush, nach dem Jahr 2004 das bedeutendste politische Amt der Welt wird innehaben können. Vielmehr geht es um die, nach den Worten der First Lady Laura Bush, „sehr, sehr schockierende“ Frage, ob zwei Menschen sich im Bund der Ehe vereinigen können, oder besser dürfen. „Zwei Menschen“ wohlgemerkt, was in diesem Fall auch zwei Herren oder zwei Damen der Schöpfung einschliessen würde.
Seit im Jahre 2000 der damalige Gouverneur des US-Bundesstaates Vermont, Howard Dean (in etwa der Oskar Lafontaine der amerikanischen Demokraten), sogenannte „Civil Unions“ (Eingetragene Lebenspartnerschaften) für homosexuelle Paare legalisierte, rollt die Debatte über Sinn und Unsinn der Homo-Ehe wie eine Lawine über das Land. Letzter Höhepunkt in diesem Schlagabtausch war eine Entscheidung des Supreme Judicial Courts des US-Bundesstaates Massachusetts im letzten November, welche das Vorenthalten des vollen Eherechts gegenüber Homosexuellen für nicht verfassungsgemäss erklärte und die unmittelbare Einführung eines solchen Rechts einforderte. Seitdem fahren die gegenerischen Parteien schwere Geschütze auf. Konservative Republikaner fordern, unterstützt durch ihren Präsidenten, eine Ergänzung der Bundesverfassung, welche das Eherecht auf die Verbindung von einem Mann mit einer Frau beschränken würde. Dieser sozusagen hoheitliche Akte der Diskriminierung veranlasste wiederum die „Log Cabin Republicans“, ein Zusammenschluss homosexueller Republikaner, eine die Position des Präsidenten kritisierende Medienkampagne ausgerechnet in jenen Staaten zu finanzieren, welche für die Wiederwahl George W. Bushs entscheidend sein dürften. Dabei werden auf Staatenebene längst rechtliche Tatsachen geschaffen. Ganze 39 US-Bundesstaaten, von Alaska bis Florida, haben sogenannte DOMAs, Gesetze zur Verteidigung der Ehe, verabschiedet, welche die Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Ehe unterbinden. Vier Staaten haben ihre Verfassung bereits entsprechend ergänzt, während weitere 18 dies in Erwägung ziehen. Bürgerrechtsgruppen erinnern an die 1940er Jahre, als das Verbot der gemischtrassischen Ehe aufzubrechen begann.
Dabei werden in diesem verbitterten Kulturkampf von beiden Seiten zum Teil abenteuerliche Argumente ins Spiel gebracht. Die „Human Rights Campaign“, eine Organisation, welche sich für die Rechte Homosexueller einsetzt, fordert Betroffene auf, in ihrem Bekanntenkreis darauf aufmerksam zu machen, dass durch den Ausschluss vom Eherecht homosexuellen Paaren sage und schreibe 1049 bundesstaatliche Begünstigungen – von Steuererleichterungen bis zur Sozialhilfe – vorenthalten werden. Sicher ein für Sozialdemokraten unerträglicher Gedanke! Die religiöse Rechte dagegen sieht im Falle einer staatlichen Anerkennung der Homo-Ehe das Fundament des heiligen Bundes der Ehe zerbrechen. Demnach würden sich wohl ohne staatliche Aufsicht unzählige verheiratete Männer an die Stirn schlagen und ausrufen: „Verdammt, ich hätte ja auch einen Kerl heiraten können!“
Wieder einmal zeigt sich, dass der wohlwollend-regulierende Eingriff des Staates im Sinne des „Gemeinwohls“ Missgunst, Gier und Hass weckt und den gesunden Menschenverstand vernebelt.
Nicht zu Unrecht fragte schon 1998 David Boaz, ein Vertreter des liberalen amerikanischen Cato Institutes, warum das gesamte Eherecht nicht schlicht privatisiert werden könne? Ehevereinbarungen würden so zu privatrechtlichen, staatlich sanktionierten Verträgen. Religiöse Institutionen könnten selbstverständlich weiterhin selbständig darüber entscheiden, welche Formen der zwischenmenschlichen Beziehung ihre Anerkennung finden würden. Der Staat würde sich damit aus dem Privatleben der Bürger – zumindest in diesem Bereich - völlig heraushalten.
Doch so einfach lässt sich die Linke ein Instrument zur Sozialklempnerei nicht aus der Hand nehmen. Und so schnell verzichtet die - ach so staatsskeptische - Rechte nicht auf die Möglichkeit, anderen Menschen ihre ideologischen Gesellschaftsvorstellungen aufzwängen zu können. Hätte man doch in der liberalen Argumentation fast ein entscheidendes Problem übersehen: Eine Privatisierung des Eherechts würde ja schliesslich auch die Möglichkeit der Polygamie legalisieren. Und das geht nun wirklich nicht! Wie die amerikanische Journalistin Cathy Young im liberalen Magazin „reason“ darstellte, führe Polygamie zu Eifersucht und Spannungen. Machtungleichgewichte in diesen Beziehungen könnten in psychologischem Missbrauch kulminieren. Auch David Boaz würde daher gerne das „private“ Eherecht auf zwei Personen beschränken. Schliesslich reflektiere das Eherecht einen Wunsch der Gesellschaft, die Ehe als „stabilisierendes Element der Sozialordnung“ zu unterstützen. Ausserdem habe ja auch die Regierung das Recht, ihrer Zustimmung zu privaten Verträgen Restriktionen aufzuerlegen. Oder wie der republikanische Generalstaatsanwalt des malerischen Staates Alabama, William Pryor, sagen würde: „Da könnte man ja gleich Nekrophilie, Inzest und Pädophilie legalisieren.“
Der Glaube an die Allmacht staatlicher Regulierung führt in diesem wahrhaft entlarvenden Fall offenbar dazu, dass Linke wie Rechte sich einbilden, Gesetze könnten entsprechend veranlagte Menschen davon abhalten, ihre Triebe auszuleben, oder umgekehrt, dazu animieren, ihnen wesensfremde Gewohnheiten anzunehmen. Ein Wort der Vernunft kam hier schliesslich aus Harvard – dessen offen homosexueller Kaplan Peter Gomes merkte an, dass es in diesem Streitfall keineswegs um Themen wie Polygamie, Sonderrechte oder die Zukunft der Familie gehe. Vielmehr ginge es um einen „Akt der Diskriminierung einer Mehrheit der Minderheit gegenüber“. Schöner hätte man das Prinzip der Demokratie kaum ausdrücken können.
Würde der Staat seine ebenso gierigen wie langen Finger aus dem Privatleben der Menschen heraushalten, würden Männlein und Weiblein, Weiblein und Weiblein sowie Männlein und viele, viele Weiblein in trauter Ehe miteinander leben können, ohne dass einem Aussenstehenden dadurch ein Schaden entstehen würde, ohne dass dadurch irgendeine Ehe länger oder kürzer dauern müsste, ohne dass ein Kind mehr oder weniger geboren würde und ohne das ein erbitterter Streit über staatliche Alimentierungen ausgetragen werden könnte. Wäre die westliche, christlich fundierte Kultur der monogamen Ehe nicht in der Lage, diese Freiheit ohne die Stütze eines staatlich-regulierenden Korsetts zu ertragen, so wäre sie ohnehin zu einer sehr kurzen Lebensspanne verdammt.
Doch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten tobt weiter der „Krieg der Kulturen“ und der unbeteiligte Beobachter stellt einmal mehr fest, dass wenige Begriffe so aufgebläht und dabei so hohl sind, wie „Demokratie“ und „Menschenrechte“.
Quellen:
www.cnn.com
www.reason.com
www.advocate.com
*ursprünglich erschienen in "eigentümlich frei", Mai 2004
